
In alter Zeit, als Hiddensee noch mit Rügen verbunden gewesen war, lebten auf
der Insel eine
reiche und eine arme Frau. Eines Abends wütete ein schwerer Sturm und es
regnete in Strömen, da
klopfte ein kleiner Mann bei der reichen Frau an und bat um ein Nachtlager. Die
Frau erfand allerlei
Ausreden und beschimpfte ihn. Da ging er zu der armen Frau. Sie öffnete ihm, bot
ihm zu essen und
zu trinken an und bereitete ihm ein Nachtlager.
Am anderen Morgen verabschiedete sich das Männchen mit dem Wunsch:“Die
erste Arbeit, die du
beginnst, soll dir gesegnet sein.“ Sie hatte vor, einen Rock für ihre Tochter zu
nähen und ging an
den Koffer, wo das Leinenzeug verwahrt war. Als sie nun maß, wollte das Tuch
kein Ende nehmen.
Ihr Haus füllte sich mit wertvollen Stoffen.
Das sprach sich schnell herum und die reiche Frau lief dem kleinen Mann nach,
um ihn für die
nächste Nacht einzuladen. Das Männlein ließ sich bewegen und kehrte bei ihr
ein.
Am Morgen
sagte es wieder:“ Die erste Arbeit, die du beginnst, soll dir gesegnet sein.“ Die
Frau hatte sich
vorgenommen, ihr gespartes Geld zu zählen, als sie dachte:“ Ich muß erst noch
ein kleines Geschäft
verrichten, damit ich nachher in Ruhe mein Geld zählen kann“. Als sie nun ihr
kleines Geschäft
anfing, hörte es nicht wieder auf – und das Land wurde überschwemmt. Die neu
entstandene Insel
erhielt nach dem Namen der Frau, die Mutter „Hidden“ hieß, den Namen
Hiddensee.
Text aus dem Buch „Hiddensee – Insel der Fischer, Maler und Poeten“
von Michael Baade und Wolf-Dietmar Stock
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